Neuer Marktplatz: Fyndiq startet Offensive

Fyndiq, ein Marktplatz, der sich selbst als „Schnäppchen Superstore“ bezeichnet, hat seine Marketingoffensive in Deutschland gestartet und will mit einer kostenlosen Testphase neue Händler gewinnen. Das schwedische Start-up wächst seit seiner Gründung immens; Grund genug, einen genauen Blick auf Fyndiq zu werfen und zu prüfen, ob Fyndiq eine gute Alternative für Händler zu Amazon & Co. darstellt.

Hinweis: Sorry, we`re closed. Diesen Hinweis liest man seit April 2016 auf der deutschen Website von Fyndiq. Überraschend hat Fyndiq seine Aktivitäten auf dem deutschen Markt beendet. Bis auf Weiteres will sich Fyndiq auf den schwedischen Heimatmarkt konzentriern und die dortigen Geschäfte auszubauen.

Ursprung und Entwicklung

Laut CrunchBase wurde Fyndiq im August 2009 in Schweden gegründet und hat seitdem ein beachtliches Wachstum hingelegt. In 2012, 2 Jahre nach dem Launch der Plattform (August 2010), hat Fyndiq bereits einen Umsatz von mehr als 6 Mio. EUR (56 Mio. SEK) realisiert; in 2013 konnte Fyndiq den Umsatz auf mehr als 13 Mio. EUR (124 Mio. SEK) ausbauen und damit im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppeln. Im Jahr 2014 Betrug der Umsatz 200 Mio. SEK; also ca. 21 Mio. EUR.

Fyndiqs Kernzielgruppe ist um die 30 Jahre alt, zu über 50 Prozent weiblich und auf der Suche nach Schnäppchen, d.h. originellen und einzigartigen Produkten zu tollen Preisen.

Im Juni 2015 hat Fyndiq seine Pforten nun auch für deutsche Händler geöffnet und offeriert ihnen im Rahmen der Marketingoffensive die gebührenfreie Nutzung der Plattform für 6 Monate, wenn sich diese bis spätestens zum 15. Februar registrieren und ihre Produkte bis zum 15. März 2016 auf dem Marktplatz einstellen.

Zu der Wachstumsstrategie von Fyndiq äußerte sich der CEO, Dinesh Nayar, wie folgt:

Schnelles Wachstum ist im E-Commerce wichtig – deshalb wollen wir gleich zu Beginn mit unserem Händler-Schnäppchen einen Wachstumsschub erzeugen, wie wir ihn auch in Schweden erlebt haben. Ein bisschen Zeit zum Auf- und Ausbau der Plattform brauchen aber natürlich auch wir, schließlich wollen wir nachhaltig wachsen.

So stand bei Fyndiq nach eigenen Angaben in den letzten Monaten der Ausbau von Integartions-Modulen im Vordergrund, sodass Händler weitestgehend reibungslos und mit wenig Aufwand ihre Produkte auch in hohen Stückzahlen auf dem Marktplatz einstellen können. Integrationen zu Magento, Gambio, Prestashop und WooCoomerce gibt es bereits. Kurzfristig sollen noch weitere Lösungen für Shopware und Plentymarkets hinzukommen.

Alleinstellungsmerkmale: Wodurch unterscheidet sich Fyndiq von der Konkurrenz?

Bei dem Versuch Alleinstellungsmerkmale herauszuarbeiten, die Fyndiq von Amazon & Co. unterscheidet, fällt zunächst auf, dass Fyndiq als Betreiber des Marktplatzes nicht in Wettbewerb mit seinen Händlern tritt, indem umsatz- und margenstarke Produkte selbst verkauft werden. Zudem ist die Preisstruktur wesentlich einfacher gestaltet. Nach Unternehmensaussagen erhält der Verkäufer 95 Prozent der Verkäufe. Einrichtungsgebühren, mtl. Gebühren und andere „versteckte“ Kosten gibt es nicht. Zudem gehört zu den Leistungen von Fyndiq ein Servicepaket, welches die Bewerbung der Produkte sowie die Betreuung der Endkunden durch einen eigenen Kundendienst umfasst.

Für den Händler kommen lediglich die Aufgaben der Produktlistung sowie der Versendung zu, die innerhalb von 24 Stunden zu Selbstkosten vollzogen werden muss. 30 Tage nach Versand werden dann 95 Prozent des Kaufpreises auf das Konto des Händlers überwiesen.

Quelle: Fyndiq.de (https://fyndiq.de/merchant/)

Fyndiq: Eine Alternative zu Amazon & Co.?

Fyndiq sieht sich als „Partner für alle deutschen Händler“ und ist mit der Vision angetreten, „ein stressfreier Marktplatz für Online-Händler und ein Einkaufsparadies für Schnäppchenjäger zu sein“, so Dinesh Nayar. Diese Prämisse, als Partner für die Händler da zu sein und diesen keine Konkurrenz zu machen, indem keine eigenen Produkte verkauft werden, ist ein deutlicher Vorteil gegenüber Amazon & Co. So monieren zum Beispiel grade kleinere Händler immer wieder die starke Abhängigkeit von Amazon als Vertriebskanal sowie die Tatsache, dass Amazon bei hohen Verkaufszahlen in Konkurrenz zu diesen Händlern tritt indem umsatzstarke Produkte selbst gelabelt und über den Marktplatz vertrieben werden; teilweise zu Konditionen, mit denen nicht mitgehalten werden kann.

Als weitere Vorteile sehe ich die einfache Kostenstruktur, mit der Fyndiq punktet sowie die Extensions, die Fyndiq zur Verfügung stellt, um seinen Online-Shop anzubinden. Die Gründer von Fyndiq sind nach eigenen Angaben „selbst Unternehmen und E-Tailer“ und wissen, wie wichtig einfache, reibungslos funktionierende Prozesse sind, die es Händlern ermöglicht, „sich auf das eigene Geschäft konzentrieren zu können“, so Nayar.

Diese Vorteile gegenüber den Mitbewerbern hat bereits viele Händler überzeugt. „Wir sind absolut positiv überrascht, wie groß das Interesse der deutschen Händler an Fyndiq ist“, fasst Nayar die bisherige Entwicklung zusammen.

Trotz der positiven Aspekte sollte man bedenken, dass Amazon und eBay sich ihren Markt in Deutschland seit Jahren erkämpft und stetig ausgebaut haben. So entfielen von den 37 Mrd. EUR, die 2014 im E-Commerce in Deutschland umgesetzt wurden, allein 11,92 Mrd. EUR auf Amazon. Diese Dominanz im Umsatz resultiert aus einer ebenso hohen Akzeptanz und Relevanz von Amazon bei den Verbrauchern, sodass es für Fyndiq schwierig sein wird, sich in diesem Wettbewerbsumfeld zu positionieren.

Die Tatsache der kostenlosen Testphase und der noch weiter andauernden Werbeoffensive – auch was die kostenlose bzw. in den Kosten von 5 Prozent inkludierte Werbeleistung durch Fyndiq für die eingestellten Produkte betrifft – überzeugt. Im Verlauf der nächsten Monate wird sich zeigen, ob Fyndiq es schafft sich zu positionieren und Traffic zu generieren.

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